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Eigenproduktionen


The AntiKaroshi - Crushed Neocons
Von Dominik Liebsch



Bandpage
Spielzeit: 45:04
Stil: Post-Rock / Experimentelle Musik

The AntiKaroshi sind eine dreiköpfige Band aus Potsdam und spielen in einer -man könnte sagen klassichen- Besetzung mit Gitarre/Gesang, Bass und Schlagzeug.
Nach einer viertrack-starken EP und gespielten Konzerten u.a. mit Diario, welche mir auch aufgrund meiner Wahlheimat Leipzig ein Begriff sind, haben die Jungs nun ihr erstes Full-Lenght-Ergebnis im Kasten: "Chrushed Neocons" nennt sich die nur um drei Titel umfassendere, aber dennoch auf rund 45 Minuten angelegte Scheibe, und bietet kurzweilige, intelligente und anspruchsvolle Rockstücke in Postrock-Manier.

Das Ergebnis kann sich zweifelsfrei sehen/hören lassen: Der fast neunminütige Opener "Fistfull" beginnt im wahrsten Sinne des Wortes hypnotisch; eine verspielte und sicher bediente Gitarre trifft hier auf psychedelische Bassläufe und ungemein kraftvolle Drums. Im Prinzip sperrig angelegt, entwickelt dieser Song einen tollen Groove und kann durch einen virtuosen Mittel- und Schlusspart definitiv überzeugen - hier wird gepoltert und gequietscht, dabei bleibt man aber immer sehr klangflächendeckend und melodisch.
Einziges Makel hier und auch an anderen Stellen des Albums ist der Gesang, der immer mal wieder etwas angestrengt und unsicher klingt. Dies fällt aber nicht allzu sehr ins Gewicht, da es sich bei The AntiKaroshi um eine Band handelt, die zu 80 Prozent rein instrumental agiert - und dies sehr ambitioniert.
Das sich anschließende "Contradiction" beginnt sehr melodisch, hier und da werden die Instrumente durch Synthieklänge untermalt, was den ohnehin sehr sphärisch daherkommenden Songs äußerst gut zu Gesicht steht. Laut-Leise-Spielchen bilden dabei ebenso großen Bestandteil, wie eher schnell und wild gespielte Zwischenparts, die zum Pogo einladen könnten, ist man denn gewillt, und will die Stücke live nicht nur einfach im Lauschen genießen.
In "Baskerville", "Cruiser Wait" und "Thinlined" verfahren die Jungs weiter sehr gekonnt mit genannten Vorgehensweisen; immer mal pendelnd zwischen sehr melodischen, hallenden Klängen und wild verspielten Klangwänden und tollen brachialen Drums, sowie hypnotischen Steigerungen nach ruhigeren Mittelparts.
"Sound Advice" kommt diesmal komplett ohne Gesang aus, ist aber durch und durch mitreißend melodisch und gleichzeitig sehr brachial. An einigen ruhigeren Stellen erinnern mich The AntiKaroshi vor allem beim Zusammenspiel von Gitarre und Bass an die leider nicht mehr existierenden, aber dennoch großartigen Karate.
Der letzte Song nennt sich "Prs Nd Cns" und ist genauso mitreißend und gelungen, wie der Rest der Platte; auch gefällt mir hier der Gesang mit Abstand am besten.

Das The AntiKaroshi bisher immer noch kein Label gefunden haben, ist mir persönlich ein Rätsel, handelt es sich meiner Meinung nach doch um eine der bislang besten deutschen Bands auf die ich gestoßen bin. Wer genau zuhört, und auch mal einen Blick ins Booklet wirft, wird feststellen, dass man es hier mit intelligenten und versierten Musikern zu tun hat, die ihr Handwerk verstehen.
Natürlich merkt man an der Soundqualität, dass es sich um eine Eigenproduktion handelt, und auch der Gesang könnte an manchen Ecken ein wenig kräftiger daherkommen, dennoch ist die Platte, sowie ein Livebesuch (die Jungs spielen diese Tage auf dem South Of Mainstream - Festival) von The AntiKaroshi wärmstens zu empfehlen. Für mich die deutsche Überraschung des Jahres.

8,5 von 10 Punkten



Tinnitus Bewertungsskala:
0-2 Müll! 3-4 Gerade noch hörbar 5-6 Mittelmaß 7-8 Gut 9 Spitze 10 Perfekt
 


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CD-Review: The AntiKaroshi - Crushed Neocons