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Wenn man für die Transkription so eines Interviews nicht viel Freizeit übrig hat, und der Abstand zur Plattenkritik wächst und wächst, merkt man plötzlich, wie ein doch vor gar nicht mal so langer Zeit noch heiß geliebtes Album schon wieder unter Bergen weiterer Neuveröffentlichungen untergegangen ist. Einst war dieser Effekt wohl der Musik-Journaille vorbehalten (Oder Menschen mit sehr viel Kaufkraft), im Zeitalter von MP3, I-Pod und Hilflosigkeit gegenüber illegalen Downloads ein weit verbreitetes Phänomen. Ob das nun gut oder schlecht ist könnte wohl Inhalt einer kompletten Magisterarbeit sein (wenn es das nicht schon ist), der einhergehende Vorteil schnellerer Verbreitung und somit mehr qualitativ hochwertiger Musik (natürlich auch minderwertiger) auf dem Markt gibt es auf jedem Fall eine schalen Beigeschmack der Schnelllebigkeit mit auf dem Weg. Aber wir wollen hier nicht ins Philosophieren verfallen (wie erwähnt, die Zeit, die Zeit), sondern eine kleine Konversation mit Jace Lasek darbieten, seines Zeichen Songwriter, Gitarrist und Sänger der Besnard Lakes, und nebenbei erfolgreicher Produzent in Montreal.

Zwischen eurem neuem Album und Are The Dark Horse kann man einen deutlichen Unterschied ausmachen. Es scheint ein bischen gradliniger und weniger tragend zu sein. Wie würdest du den musikalischen Hintergrund von Of The Roaring Night beschreiben?
Dass wir das Album in zwei ein-Monat-Sessions aufgenommen haben hat wirklich sehr dabei geholfen, dass die Stücke besser als ein Ganzes zusammenpassen. Dark Horse und unser erstes Album, Volume I, wurden beide in kurzen zwei-bis-drei-Monatsessions über eine Spanne von zwei Jahren aufgenommen. Ich schätze das hat dazu geführt, dass sich diese Platten mehr wie eine Kollektion von Songs als richtige Alben angefühlt haben.
Ihr habt dieses Mal auch mehr Synthesizer verwendet, was dem Ganzen einen gewissen frühe/mittlere-Pink Floyd Vibe verpasst, oder einigen Songs etwas Krautrock Feeling.
Ja, auf jeden Fall. Wir haben uns tatsächlich an Inspirationen für den Synth-Sound an Dark Side Of The Moon gehalten. Am Ende haben wir unseren Juno 60 für die meisten der Synth-Töne verwendet.
Einige Songs klingen auch sehr nach Shoegazer, vor allem der vermeintliche Hit, Albatross, der auch aus den späten 80'er oder frühen 90'er hätte stammen können. Was beeinflusst euch da?
Wir sind alle wirklich große Swervedriver Fans. Schon seit Langem. Wir lieben auch My Bloody Valentine und die Swirlies. Wir dachten immer, es wäre cool Roy Orbison und die Beach Boys mit Shoegaze und Siebziger-Prog zu mischen. Das klingt eigentlich wie zum Scheitern verurteilt, aber es scheint so als haben wir es irgendwie hinbekommen.
Ich glaube auch du bist noch selbstsicherer als Sänger geworden, und es sich in der Hinsicht auch wieder etwas von den Beach Boys entfernt hat.
Ich denke wir haben endlich als Sänger unsere Stimmen gefunden. Und es wird immer etwas Beach Boys auf unseren Alben geben, nur haben wir dieses Mal mehr an Pacific Ocean Blue als an Pet Sounds gedacht.
Die Produktion ist auch anders. Euer letztes Album hatte einen sehr klaren Sound mit viel Hall, das neue klingt auf seine Art größer und lauter. Warum wolltet ihr so eine Produktion haben?
Ich hab mich als Mischer und Produzent einfach weiterentwickelt. Ich wollte immer neue Wege erforschen den gesammten Sound eines Albums anzugehen, und Roaring Night ist einfach ein Beispiel von dem wo ich grade stehe.
Du bist an eine echte 1968 Neve Germanium Mixing Console gekommen. Wo hast du die her bekommen?
Wir haben sie einem Broker in Boston abgekauft. Sie wurde original in England gebaut, dann nach Frankreich exportiert, und landete dann 1980 in Skip Saylor's Studio in LA. 1990 wurde sie von David Manley gekauft. 1995 wurde sie ins Eastside Studio in New York gebracht. 2005 wurde sie dann zum Verkauf freigegeben, und wurde 2007 gekauft. Wir haben sogar eine Email von diesem Zwischenhändler bekommen der diese Konsole zum Verkauf hatte. Er hatte herausgefunden, dass wir eine große Konsole suchen und fragte uns ob wir an dieser interessiert seinen. Natürlich haben wir uns in sie verliebt.
Du produzierst eine Menge großer Indie und Rock Bands aus Kanada. Wie bist du zum Musikproduzenten geworden, wolltest du das schon machen bevor du überhaupt selber Musik gemacht hast, oder sind beides Leidenschaften mit gleicher Priorität?
Beides geht für mich Hand in Hand. Ich glaube wir wäre nicht in der Lage besonders gute Alben zu machen, wenn wir kein Studio hätten, um darin zu experimentieren. Teil des ganzen Besnard Lakes Prozesses ist es, im Studio abgefahrene und aufregende Sounds zu erschaffen. Ich selber nehme auf seitdem ich siebzehn bin, in meinem Schlafzimmer mit einem 4-Track Kassettenrecorder, uns ich war immer glücklich mit den Ergebnissen dieser Aufnahmen, trotz der Mängel.
Auf der letzten Platte gab es viele Gastmusiker aus der Montreal-Szene. Gibt es auf dem neuen Album wieder so viele, oder ist es wieder reduziert auf den Kern der Band? Das würde das Material ja auch live einfacher umsetzbar machen.
Chris Seligman und Evan Cranley von den Stars spielen auf diesem Album Horn. Murray Lightburn von The Dears spielt ein wenig Omnichord. Meine Mutter spielt ein bischen Orgel. Das Meiste auf dem Album ist aber der Kern der Band. Es macht live spielen etwas einfacher, und auch etwas spaßiger. Da wir nur vier Leute sind können wir wirklich gut zusammen auf einer Bühne spielen. Wir würden aber auch gerne ein paar Back-Up Streicher anheuern!
Textlich gibt es eine Geschichte die sich durchs gesammte Album durchzieht, und von ihrer Beschreibung her ein wenig abgefahren zu sein scheint. Liegt dir abstrakteres, imaginäres Erzählen eher als die sonst oft üblichen, persönlichen Texte über das tagtägliche Leben?
Ja. Ich denke die Leute haben genug Love Songs gehört. Es gibt nur eine begrenzte Anzahl von Geschichten zu erzählen. Wir versuchen nur die Texte interessant und abgefahren zu halten, um die Hörer bei der Stange zu halten.
Es ist doch relative erfrischend auch mit euch eine Band zu haben die sich abseits von schnelllebigen Trends der Indie Szene diesem alten 60's und 70's Sound hingibt. Wie bekommst du selber die Akzeptanz dessen was ihr da tut mit? Selbst Pitchfork scheint euch ja zu mögen, und sie sind ja bei so Retro Sachen selten angetan, wie man unlängst bei Midlake mitbekommen hat.
Wir haben ganz schön Glück, soviel Akzeptanz in dem was wir tun zu bekommen. Es erlaubt uns, mehr Leute zu erreichen, die unsere Alben mögen könnten. Wir haben ehrlich nie gedacht irgendjemand würde sich für das was wir tun interessieren, da es überhaupt nix mit den aktuellen musikalischen Trends zu tun hat. Vielleicht respektiert unser Puplikum ja gerade das.
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