Lividity - To Desecrate And Defile





Basia Bulat - Heart Of My Own





Quitzow - Juice Water





Vic Chesnutt - Skitter On Take-Off





Band of Skulls - Baby Darling Doll Face Honey





Reviews


Zu - Carboniferous
Von Daniel Kullik



Ipecac
VÖ: 20.02.2009
Artistpage
Spielzeit: ca. 50:00
Stil: Metal/Math/No-Wave/Free Noise/Punk/Jazz

Bei Zu klingelt was, mal gehört, irgendwie unter beachtenswert abgelegt, aber dann nicht weiter verfolgt. Da war mal ne Kollaboration mit Dälek und ne LP namens Bromio, im Schatten der Erinnerung wussten die durchaus zu gefallen. Man ahnt es bereits, dieses Album tut es nicht.

Was macht man, wenn abgefahrene Musik, mit vielen Breaks und - für Rock - mit ungewöhnlichem Instrumentarium bestückt (Bass, Schlagzeug, Saxophon), einfach ziellos vor sich hindaddelt, da reißen auch die beiden Hans-Dampfe-in-allen-Gassen Mike Patton und Buzz Osbourne nix raus? Eben. Die Platte wird, mit Homer Simpson, für: L-A-N-G-W-E-I-L-I-G befunden, da braucht man sich auch nicht dem Objektivitätsreflex hingeben. Zu tun anscheinend das was sie immer tun: vom Jazz inspirierten Rock spielen, der sich sowohl bei Avantgarde a la John Zorn (v.a. die rockigeren Versuche der jüngeren Vergangenheit, i.e. Moonchild, Astronome), als auch bei No Wave-Ansätzen a la Contortions, sowie bei der Rocknummer rund um das Ipecac-Label bedient. Klingt leider genauso wie es sich liest: technisch ausgefuchste, verschwurbelte Angeber-Mucke für Leute mit Musik-LK. Das ganze prescht zwar forsch vorwärts, ist auch angenehm noisy, mal wird auch das Tempo angenehm verschleppt, verharrt aber in rockistischem Firlefanz, der v.a. auf den effekthascherischen Mindfuck aus ist. Die Platte klingt fast immer so als ob sie vornehmlich Bewunderung erheischen will, ob der überraschenden Ideen und Wendungen, die geboten werden. Im Endeffekt überrascht hier aber kaum was, sondern es entwickelt sich ein stoisch vor sich wurschtelndes Album, das zu breitbeinig aus den Boxen wummst und kaum Platz für filigrane Momente lässt. Erfüllt so alles was in den 1990ern an Crossover schon Scheiße war, die Selbstherrlichkeit von HipHop und Rock zu einer unerträglichen Melange zu vermischen. In den besseren Momenten erinnert Carboniferous an domestizierte Painkiller (John Zorns 1990er Drums-Bass-Saxophon-Projekt mit Bill Laswell und Mick Harris), in den schlechteren an Hellas unsägliche There's No 666 in Outer Space (ebenfalls bei Ipecac erschienen). Die Kombination aus Bass, Schlagzeug und Saxophon beherrschen die Herren Wertmüller, Pliakas und Brötzmann auf ihren Alben als Full Blast zwingender, mitreißender und intensiver.

So weit so schlecht und ein klassischer Fall von 4 Punkten, wenn denn das letzte Stück Orc nicht wäre. Die synkopiert stampfenden Rhythmen werden durch flächige Elektrosounds und imitiertes(?) Hundegebell ersetzt und so steht am Ende dann doch noch ein origineller Track, der sich widerborstig der Mike-Patton-Rockschule entgegen stellt. So sind dann doch noch 6 Punkte drin.

Bleibt festzuhalten: Carboniferous zu hören ist wie Cristiano Ronaldo Fußball spielen zu sehen. Technisch perfekt, aber immer auch eitel auf den Effekt schielend, der das Publikum zu Aaahs und Ooohs verführt.

6 von 10 Punkten



Tinnitus Bewertungsskala:
0-2 Müll! 3-4 Gerade noch hörbar 5-6 Mittelmaß 7-8 Gut 9 Spitze 10 Perfekt
 


Zurück

 

Weitere Artikel über Zu:

Live Review: Carla Bozulich, Hrsta (22.11.2006 Hamburg)