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Young Turks
VÖ: 14.05.2010
Bandpage
Spielzeit: 38:16
Stil: Post-Electro
Gründer und Elektroniktüftler Brian Borcherdt und Graham Walsh haben sich inzwischen mit der Rhythmus-Sektion Matt Mcquaid und Matt Schulz ein stabiles Line Up geschaffen - früher wechselten die beiden Schlagzeuger und Bassisten ja desöfteren gerne mal aus. Musikalisch haben sie ihre Linie gefunden.
Latin ist zwar im Gegensatz zu seinem Vorläufer LP zunächst etwas sperriger, und ohne offensichtlichen Hit ausstaffiert, aber unter der wabbernden, pulsierenden Masse steckt wieder ein wildes Agglomerat aus doch so gut wie immer tanzbaren, treibenden Rhythmen, umspielt vom mal zerrend flächigem, mal melodiösem Elektronikgetüdel der Chefs vom Dienst. Das einem das so im Vorbeigehen auf der Heimanlage etwas wild, zerfahren und bisweilen randomisiert vorkommt, hat seine Ursache, die vier proben nämlich kaum zusammen, und entwickeln ihre neuen Stücke auf ihren Konzerten, Abend für Abend, bis sie so sind wie wir sie nun vorfinden. Dass da kaum Platz für Reißbrett und klassischen Kompositions-Regeln bleibt liegt auf der Hand, aber unterm Strich tut es dem Fluss und der Dynamik der Stücke gut. Sowieso wirkt Latin sehr homogen, man mag es kaum zerpflücken. Es steckt immer wieder voller Momente, seien es schön treibende Basslinien, schwitzende Rhythmen, grandiose Melodieläufe (Stilettos tut sich hier ein wenig hervor) oder eben den immer wieder schön akzentuierenden, etwas experimentelleren Sounds.
Wenn diesem Album grade eines hoch anzurechnen ist, dann seine Fähigkeit, äußerst subversiv das Tanzbein anzusprechen. Es mögen deutlich diesem Ziele dienende Rhythmen angeboten werden, dennoch werden diese eher in ein verspieltes, musikalisches Konzept verpackt, das sich der offensichtlichen Tanzmusik zunächst versperrt. Hier von Innovation zu sprechen wäre Quatsch, aber Holy Fuck sind neben Gruppen wie den Fuck Buttons, 65daysofstatic, Battles oder Errors ganz vorne mit dabei, wenn es um die Verbindung von Postrock (und Artverwandtes) und elektronischer Hüftinvasion geht. Da hat praktisch der Nerd in der letzten Reihe genauso was von wie das Partyluder(lude) vorne Mitte. Wenn das mal nicht was Schönes ist.
8 von 10 Punkten
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