Magic Kids - Memphis





Someone Still Loves You Boris Yeltsin - Let It Sway





Poison Arrows - Newfound Resolutions





Beehoover - Concrete Catalyst





Mona De Bo - Nekavejies Sis Ir Speles Ar Tevi





Reviews


Future Islands - In Evening Air
Von Haiko Nahm



Thrill Jockey
VÖ: 14.05.2010
Bandpage
Spielzeit: 35:58
Stil: Post-Wave

Was sind wir der ewigen Diskussion der Revivals und Post-Revivals überdrüssig. Man bekommt doch gar den Eindruck, der eine oder andere selbsternannte Wissenschaftler der Popkultur, und somit auch der Popmusik, ermisst die Relevanz eines Albums gänzlich allein an der zeitlichen Einordnung seiner Einflüsse, und deren aktuelle Verordnung in der Musiklandschaft. Eine kopflose und feige Kapitulation vor einer Auseinandersetzung mit dem eigentlichen Inhalt, der Musik - die Heilsuche in der Meta-Ebene des Feuilletons (also im Grunde ähnlich diesem ersten Absatzes, das Geschwafel über Geschafel ist wiederum Geschwafel. Ein Teufelskreis). Es kommt nicht selten der Verdacht, dass grade in den Gefilden der sich doch selbst schon als Independent bezeichnenden Szene die ureigenste Funktion der Musik vergessen und weggeredet wird: emotional zu berühren, sei es zur puren Freude oder anderswie. Gehört zu werden.

Aus diesem Grunde wäre es müheselig, Future Islands auf ihrem zweiten Album wieder mit der alten Leier des 80's Revivals zu kommen. Natürlich haben sie offensichtlich zuhause ein paar New Order Platten liegen, natürlich erinnert ihre Stilistik, ihr Ansatz stark an die Musik aus Liverpool und Manchester vor 25 Jahren. Doch sie schreiben dabei derart großartige Songs, dass sich eine Relativierung dieser Tatsache mittels musikhistorischem Tamtams schlicht verbietet. Auf ihrem dennoch schönen Debüt schienen die drei aus Baltimore noch etwas unentschlossen, wohin es gehen soll, In Evening Air scheint am Ziele angekommen. Das Schlagzeug gänzlich ersetzt durch die Drummaschine, die Synthies flächig, schön und gross, der Bass pulsierend, rhythmisch und akzentuierend. Gleich Opener Walking Through That Door fällt mit wohligen Flächen, Uptempo-Beat und treibender Bassline durch die Tür, und Sänger sowie Frontsau (wer die Future Islands einmal live sah, weiß um die Berechtigung dieses Titels) Samuel T. Herring singt gar verhaltend und lieblich (und wie so gerne über das Scheitern der zwischenmenschlichen Beziehung), ganz als wolle er seine sonst so typische Röhre etwas schonen. Dabei bleibt es natürlich nicht, und so rumort er hier und da wieder in bester Tom Waits- Manier, nur deutlich akzentuierter noch als auf ihrem letzten Album, und das ist auch nötig, den In Evening Air badet geradezu in lieblichem Schönklang. Das Werkzeug ist so simpel, doch gelingt es ihnen immer wieder grandiose Melodiebögen hervorzuzaubern - mal verhalten, tragend und melancholisch, mal treibend und regelrecht hitverdächtig. Bemerkenswert ist vor allem auch das Bassspiel von William Cashion, der es wunderbar versteht, sein Instrument immer zur richtigen Zeit in den Vordergrund zu rücken, oder an den passenden Stellen kleine Melodieperlen zu setzen.

Future Islands haben es also bereits nach zwei Alben geschafft, ihrer Vorstellung von dem, was sie Post-Wave nennen, ein beeindruckendes Gesicht zu geben. In Evening Air ist ein tolles Album voller Melodie, Schönheit, minimaler, aber effektiver Rhytmik und lauter Kleinoden an Popsongs. Da erlaubt man es sich gar einen garantierten Hit Vireo's Eye an vorletzte Stelle zu setzten, und nichtmal als erste Single (bzw. heutzutage analog dazu als erstes Video im Netz) zu veröffentlichen. Mit diesem Album in der Hand kann man das mal einfach so tun.

9 von 10 Punkten



Tinnitus Bewertungsskala:
0-2 Müll! 3-4 Gerade noch hörbar 5-6 Mittelmaß 7-8 Gut 9 Spitze 10 Perfekt
 


Zurück

 

Weitere Artikel über Future Islands:

CD-Review: Future Islands - Wave Like Home
Interview: Future Islands (26.05.2009)
Interview: Future Islands (16.08.2010)