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Reviews


The Drums - The Drums
Von Simon Birgel



Moshi Moshi Records
VÖ: 04.06.2010
Bandpage
Spielzeit: 40:35
Stil: Indie-Pop, 80's-Revival

Letztes Jahr, ja, da wollte man bloß surfen. Summertime hieß das Ding, das diese Band in den Schwebezustand hievte, zwischen Everymagazine's Darling auf der einen und ganz kleiner Vorbehalte bezüglich der letztendlichen Qualität des Quartetts auf der andern Seite. Doch eigentlich war es einfach ein zu großes Pfund an guter Laune und latenter Albernheit von viel zu dünnen Jungs in viel zu engen Hosen, als das man diese EP nicht hätte sympathisch finden können. Und schließlich schienen sie ja echt gute Sachen gehört zu haben. Joy Division. Beach Boys. Smiths. Die mag ja eh jeder. Die sind ja schließlich auch poptheoretisch als Axiome festgeschrieben.

Nun die Feuertaufe. Das erste richtige Album, selbstbetitelt und das in dicksten Lettern. Auf den Brettern, die die Welt bedeuten. Und vornehmlich wird erstmal die Vielzahl an vermeintlichen Einflüssen runtergebrochen, bis nur noch ein 80er Revival übrig bleibt. Da fühlen sie sich scheinbar zu Hause, die Drums. Vielleicht ein paar Jahre zu spät, vielleicht aber auch spät genug, um wieder vornweg zu sein. Außerdem erweist sich Texter und anscheinend bereits Surfer a.D. Jonathan Pierce nun als großer Tragiker. Direkt im ersten Song stirbt sein Best Friend, ein Schwanengesang auf munter hüpfenden Quintenbass, der so ähnlich schon Whigfield den großen Hit beschert hat. Da wurde anscheinend groß gelitten seit Summertime, auch wenn es dezente The Cure-Anfälligkeiten auch da schon gab. It Will All End In Tears spricht Bände, das Leben wurde sich einfacher vorgestellt, als es dann halt so ist (Book Of Stories) und in Skippin Town ist das lyrische Ich dem Tode nah. Beziehungen sind gescheitert (We Tried) und kommen niemals mehr wieder. ''I cannot take it anymore''. Das denkt man als mindestens postpubertärer Hörer auch irgendwann. Musikalisch werden diese Dauerseufzer natürlich konterkariert von ihren schon gewohnten, fröhlichen Stilmitteln. Nur mit mehr Glitzer.
Die oft beschworene Referenz Joy Division wird eigentlich so gut wie ausschließlich aus den kristallinen Keyboardflächen aus Love Will Tear Us Apart kondensiert. Ab und an mal der - pardon - etwas furzende Bass, die einsaitigen Gitarrenlinien. Garniert von strunzeinfacher, effektiver Rhythmik zwischen Bumm und Clap. Auch die einfacheren, eher in sich ruhenden Tracks warten mit einem Refrainschema auf, das auf Albumlänge zur Schablone wird. Einzige Wirkung ist, dass man kulleräugig ans Sternenfirmament blicken darf, wenn man will. In der wuchtigen Textzeile ''It's another night with the moon in the sky, hiiioohoooo'' in Me & The Moon gar Wort für Wort beschworen und in Forever & Ever Amen schließlich auf Arena-Indie Niveau gehievt, unter maßgeblicher Hilfe von einigen ''u huuu huuu huuuu''s und ''skyhiayyyhiaaaayyyy''s.

The Drums ist ein schlagereskes Indie-Album für die Zielgruppe Anfang 20 geworden, das auch garantiert zünden wird. The Drums sind weiterhin eine Band mit Hitpotenzial, aber die Songs sind bis zum Rand erfüllt mit einer aufdringlichen Bittersweetness, die einen auf Dauer matt und schließlich mit der Frage zurücklässt, ob das noch putzig-naiv ist oder schon kühl berechnet.

5,5 von 10 Punkten.



Tinnitus Bewertungsskala:
0-2 Müll! 3-4 Gerade noch hörbar 5-6 Mittelmaß 7-8 Gut 9 Spitze 10 Perfekt
 


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CD-Review: The Drums - Summertime! (EP)