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Rough Trade
VÖ: 18.06.2010
Bandpage
Spielzeit: 38:58
Stil: Beach Boys-Pop
Niemals wollte ich einer werden, der alles in einen Topf wirft, dessen Genre-Kosmos sich nur um eine pobelige Band dreht und alles, was schüchtern an seine Ohren herantritt, verbiegt und verdreht, so dass es in seinen kleinen, überschaubaren Referenzkasten passt. Nein niemals nein. Aber besonders der Indie-Pop amerikanischer Herkunft orientiert(e) sich mehr und mehr am Strandsound der 60er, angefangen mit der Konsenswerdung von Grizzly Bear, den Chören der Kritikerlieblinge Fleet Foxes, den cleveren Vampire Weekend und den schon wieder verpuffenden Shins. Erst neulich waren es die Ganglians, die an nichts anderes mahnten als an die Beach Boys. Und was haben wir nun hier? Das Zweitwerk einer Band aus Berkeley, California, dessen Titel bezeichnend und reflexiv den Sonnenuntergang am Strand bespiegelt: Big Echo. Es gibt ein Video von einer Aufnahmesession, bei dem Sänger und Bandgründer wie -zentrum Chris Chu von Phil Spector schwärmt (!), das Gefühl erster Liebe einfangen will (!!) und dann mit Hilfe unzähliger anderer Freunde und Kollegen den Song und Albumopener Excuses- am Anfang des Albums steht das Kratzen einer Platte, die aufgelegt wird(!!!)- darbietet: Ein Dreivierteltakt, stet in memoriam Then He Kissed Me, modrig heimelige Streicherklänge aus den 60ern, Glocken und tausend Stimmen, die den Song kurzzeitig gar alleine tragen. Da will wohl einer Brian Wilson werden!
Excuses hält diesem Anspruch immerhin beinahe stand, denn der Wille zum (ausufernden) Pop in der Instrumentierung trifft auf schöne, geschwungene, aber trotzdem klare Melodielinien und Effekte, die wirken. Psychedelic light quasi: Die Songs sind vollgepackt mit kleinen Ideen, einfach verzauberten einfachen Melodien, unerwarteten Wendungen und Brüchen (etwa der waghalsige Entschluss, den fantastischen Shins-Sommersonnenohrwurm Cold War nach nur zwei vollgepackten Minuten verhallen zu lassen). Aber auch: Das stilsichere Ausloten von Möglichkeiten nostalgiebefeuerter, eskapistischer Pop-Extravaganzen gebiert Balladen wie Pleasure Sighs (mit beschaulichen Noise-Wellen! Aber trotzdem wohlig und sehnsuchtsheischend ausladend...) und das von Grizzly Bear-Chorwellen und schwelender, verschmitzter Melodramatik umspülte Stitches (produziert wurde Big Echo von Chu und Chris Taylor, seines Zeichens Mitglied und Soundwerkeler bei eben jenen Grizzly Bear). Aber auch: Forsche Gitarren-Popper am Rande dessen, was als Rocksmusik durchgeht, All Day Day Light, und das psychedelisch breitwandige Promises mit der Kernzeile: "I think we grow up too fast." Die Liebe wird vergehen. Die Tragik der Liebe, ihre bereits im Entstehen drohende Vergängnis, ja, um so was geht es auf Big Echo. Ja, da versucht sich jemand in Brian Wilsonismen!
Aber der Sound ist gut und die Songs fast durchgängig memorabil mit allerlei kleinen Melodien und Nuancen, Momenten und Geschmack. Zwar sitzt der Abzug der große Gefühle speienden Pistole locker (Am Rande: Sind große Gefühle nicht immer dann groß, wenn die Abstraktion den Kontext genommen hat? Wäre das nicht aber Schlager im Gegensatz zum individuell Unaussprechbaren?), aber wer bin ich, gegen große Gefühle zu sprechen! (Gegen Schlager natürlich schon eher.)
8 von 10 Punkten
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