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City Slang
VÖ: 25.06.2010
Bandpage
Spielzeit: 52:37
Stil: Electronic
Das Konzept, nach jedem Studioalbum ein Remixalbum nachzulegen, ist an sich schon ein beachtliches. Bei den Noise-Extravaganten Health kommt noch das Streben nach konzeptioneller Perfektion ins Spiel - der Versuch, ein in sich stimmiges, künstlerisches Gesamtbild zu schaffen, welches über die reine Musik und Eigenkomposition hinaus geht. Das Konzept geht auf, und es gibt und gab wohl nie eine Band die auf der einen Seite diese hippe, zeitgeistge Coolness ausstrahlt, aber live Abends im Club ein wildes, ausgeflipptes Krachgewitter zum Besten gibt, und dabei weit mehr als nur die 10 ortsansässigen Noise-Fetischisten anwesend sind. Und das liegt sicher nicht nur an den (sehr) kurzen Ausflügen in Richtung lässiger Tanz-Rhythmik in ihrer Musik.
Die Disco-Reihe hat ihrem Ursprung im Crimewave-Mix von Crystal Castles, so ungefähr deren erster großer Hit, was dann zu Disco1 und nun Disco2 führte. Mehr noch als sein Vorgänger ist der Re-Interpretation Health'scher Tonerruptionen zweiter Teil dabei ein Gefüge zu Eigen, das Albumcharakter besitzt, und kaum noch wie eine lose Ansammlung ausgesuchter Remixe wirkt. Eröffnet wird gar mit einer komplett neuen Eigenkomposition, die sich dem folgenden auch anpasst - fehlt es USA Boys doch an jeglicher Dissonanz und ungestümer Gewalt. Sehr elektronisch, gemächlich tanzbar, großer Beat, sanfter Gesang - Health können auch anders, haben das eh immer schon aufblitzen lassen, jedoch noch nie in dieser Konsequenz, selbst beim Hit Die Slow nicht. Ob das nun so gewollt ist, um die klangliche Einheit des Albums nicht zu stören, oder aber auch als Aussicht auf Kommendes gewertet werden kann, bleibt Spekulation, bei den jüngsten Live-Konzerten fiel jedenfalls nebenher ein wohl neues, äußerst tragendes, fast schon episches Stück auf. Das dritte Studioalbum darf also mit größter Spannung erwartet werden.
Doch zurück in die Disco. Elf Remixe folgen, und das äußert geschmacksvoll ausgesucht und aneinander gereiht. Die ursprünglichen Stücke lassen sich nur selten noch ohne Hinschauen erkennen, und wenn dann oft nur am Gesang, der nicht selten noch als einziges gesampelt wurde, um ein einem völlig neuem Gerüst zu dienen. So passt es dann z.B. auch gut ins Bild, dass Before Tigers ganze drei Mal bearbeitet wurde, und drei Mal völlig verschieden klingt - bei CfCf schön, melodisch und sequenzerlastig, bei Gold Panda gemächlich klickend und flirrend, bei Blindoldfreak ambientös, flächig und ausklingend. Abwechslung gibt es viele, Javelin (In Heat) und Tobacco (Die Slow) bieten ihre bekannten Interpretationen von Hip-Hop-infizierter Elektronik, Blondes (Nice Girls) erinnern an Köln und Kompakt, und Crystal Castles (Eat Flesh) fallen als einzige mit etwas Brachialität auf. Little Loud schaffen es Nice Girls zu einem wahren Hit werden zu lassen, und sorgen neben Small Black für den Chillwave Faktor, the Sound of the Summer 2009.
So ist Disco2 dann auch weitaus mehr als "nur" ein Remixalbum - es ist eine kleine Ansammlung zeitgenössischer, elektronischer (Tanz-)Musik, superb erarbeitet und zusammengestellt, voll von fantastischen Nummern. Was an und für sich ja genau dem Konzept Health entspricht.
8,5 von 10 Punkten
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