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Reviews


Wolf Parade - Expo 86
Von Haiko Nahm



Sub Pop Records
VÖ: 02.07.2010
Homepage
Spielzeit: 55:30
Stil: Indierock

Wolf Parade haben eine eigenartige Wandlung vollzogen. Obwohl sich ihr Einstand mit Apologies To The Queen Mary mehr als famos gestaltete, entwickelte sich die Band um die zwei Kreativköpfe Krug und Boeckner immer mehr zu einem Nebenprojekt dieser Beiden, die sich inzwischen in der Hauptsache ihrer diversen Folgeprojekten widmen, in erster Linie Sunset Rubdown respektive Handsome Furs. Wenn man diese direkt vergleicht, wird klar warum, wollen doch beide in gänzlich entgegengesetzte Richtungen, und so bleibt Wolf Parade wohl ein gemeinsamer Kompromiss, bei dem man sich durchaus die Frage stellen darf, ob man ihn überhaupt noch so tätigen würde, wäre er nicht trotz längerer Pausen zwischen den Veröffentlichungen derart beliebt, und wohl immer noch erfolgreicher als die Schauplätze der Eigeninteressen.

Expo 86 findet seinen Namensgeber in der Weltausstellung von 1986 in Vancouver, wer hier einen Zusammenhang mit einem etwaigen lyrischen Konzept vermutet sei herzlich eingeladen, sich in den besonders bei Krug mal wieder bedeutungsschwangeren (oder auch nicht?) Texten zu verlieren, deren wahre Größe doch wie so oft bei ihm in den einzelnen, für sich alleinstehend großartigen Fragmenten besteht. Boeckner steht dem wie immer etwas nach, am Ende bleibt das aber Geschmackssache. Musikalisch bleiben Wolf Parade ihrer Route treu, geben sich betont selten schnell greifbarer Strukturen hin, und betreiben eher wieder eine etwas progressivere Variante des Indie-Rocks - nicht selten möchte man gar meinen, vor allem wenn Krug singt, es klänge kaum anders als Sunset Rubdown mit mehr Gitarren und Rock minus Pathos. Tatsächlich verlieren sich viele der selten unter fünf Minuten langem Stücke in stete Rhythmuswechsel, verweigern sich der gängigen Struktur (Refrain, Chorus, etc.) und führen so zu der guten alten Platte, die sich dem Hörer erst so wirklich mit der Zeit öffnen mag. Zugegeben ist hier der Grad oft schmal, zwischen gemächlicher Erschließung und trügerischer Schönhörerei. Doch Wolf Parade wissen was sie da tun, und gönnen uns so manchen Moment brillanter Schönheit (neben kleineren Situationen ausladender Zerfahrenheit), suhlen sich mit Rockgitarren z.B. in Disco-Beats (What Did My Lover Say), werden äußerst Synthie-lastig und fast schon psychedelisch (Oh You, Old Thing) und geben sich fast schon klassischen Rockismen der 80'er Jahre hin (Cave-O-Sapien). Dabei gibt es sie immer wieder, die Momente der Tanzbarkeit, des Ohrwurms, mal mehr oder weniger offensichtlich vermengt in Nummern wie dem tollen Ghost Pressure - den Indie-Dj macht man jedoch lediglich mit dem straightem Indie-Popper Yulia glücklich. Das tut man damit aber auch wieder einmal mehr als auf der letzen Platte, zeigt aber eventuell gewollt einmal kurz auf, wohin sich diese Band auch hätte entwickeln können, wenn sie es nach dem ersten Album auf den großen Erfolg angelegt hätte. Doch wer sich mit der Musik dieser beiden, und besonders Krugs beschäftigt, weiß, dass hier Musiker am Werke sind, die nicht anders wollen. Und das hat man Wolf Parade hoch anzurechnen.

8 von 10 Punkten



Tinnitus Bewertungsskala:
0-2 Müll! 3-4 Gerade noch hörbar 5-6 Mittelmaß 7-8 Gut 9 Spitze 10 Perfekt
 


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