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Polydor/Universal
VÖ: 08.06.2010
Bandpage (Unofficial)
Spielzeit: 34:17 (Faust) / 40:22 (So Far)
Stil: Krautrock
Krautrock ist aus einer Vielzahl von Gründen ein einzigartiges Phänomen. Zunächst wäre da der Umstand, als Genrebezeichnung eher unbrauchbar zu sein, umschreibt es doch eine Epoche an einem Ort, in der unheimlich viel kreative, und dabei oft völlig andersklingende Musik entstanden ist. Da kamen aus dem Deutschland der siebziger Jahre plötzlich Unmengen von Gruppen, die ihre Wurzeln zwar oft in dem nicht ganz neuen psychedelischen Rocksound fanden, diesem aber mit schier unbändiger Experimentierfreude zu bis dahin ungeahntem künstlerischem Glanz verhalfen, und grade dank der immer vermehrten Hinzunahme synthetischer Klangerzeuger nebenbei praktisch die elektronische Musik revolutionierten, wenn nicht erfanden. Es ist die Epoche der Rock/Pop Musik, in der deutsche Künstler für den kreativen Fortschritt sorgten - und die Ironie der Geschichte besorgte ihnen meist großen Ruhm und Anerkennung überall, nur oft nicht in der Heimat, und wenn, nur in geringerer Dosis. Da wundert man sich eigentlich kaum, dass Post-Krautrock wieder die Anglospähre als Einfluss dient, und nicht umgekehrt.
Die Hamburger Faust können von diesen Zusammenhängen ein Lied singen. Ihre ersten beiden Alben, aufgenommen in völliger Isolation 71/72 in einer umgebauten alten Dorfschule in Wümme, üppig bezahlt von Polydor, fanden in der deutschen Presse keine Anerkennung, und verkauften sich mager. Die Welt, insbesondere jene von Wurst, Bier und RAF, schien noch nicht reif für ein Werk wie Faust. Hier traf Rockmusik von Psychedelic und Folk bis Zappa auf Tape-Loops, krude Synthetik, Musique Concrète und Struktur fernab jeglicher Gewohnheiten. Drei Stücke, unvorhersehbare Verläufe - zu seiner Zeit bekanntes traf jederzeit auf ungewöhnliches und experimentelles, ob nun rauschende Klanglandschaften oder plötzliches Gewitter, gefolgt von einer sakralen Orgel. Und selbst vierzig Jahre später, mit völlig anderen Hörgewohnheiten, überrascht und fasziniert dieses Frühwerk immer noch, obwohl derartig experimentelle Rockmusik heute nix ungewöhnliches mehr ist. Das gilt auch für ihr zweites Album, So Far, welches zwar augenscheinlich in etwas traditionellerem Schema daher kommt, im Grunde haben Faust ihren grenzenlosen Trieb hier aber lediglich in neun anstatt drei Parts unterteilt. Entstanden ist dabei ihr vielleicht größtes Werk. Vom innerhalb von 24 Stunden komponiert- und aufgenommenen Hippie-Rocker It's A Rainy Day, Sunshine Girl, über das wahnsinnige Chamäleon No Harm mit seinen wahnwitzigen Stimmungswechseln, bis hin zum verrückt fröhlichem I've Got My Car And My TV (folgerichtig hinter dem krachig-düsterem Mamie Is Blue gelegen), entstand hier ein Klanguniversum, das auch heute noch seinesgleichen sucht. Besonders hervorzuheben ist dabei die Tatsache, dass hier kein Synthesizer zum Einsatz kam, alles was so klingt wurde mit Gitarren, Saxophon, Orgel und Echomaschinen erstellt.
Nach diesen beiden Alben ging es für Faust zum Major Virgin, wo nach IV aber auch schon wieder Schluss war, es wollte sich eben nicht verkaufen. Faust waren (es gibt sie freilich auch heute noch, mehr oder weniger, in verschiedenen Ausführungen) mit ihrem revolutionären Sound wie so viele Gruppen des Krautrocks zum Kultstatus verdammt, und fanden Anerkennung oft vor allem nur im Ausland, auch wenn es dabei nie zu einer ähnlichen Bekanntheit wie z.B. Can reichte. Wer diese Neuveröffentlichungen nutzt, (und am besten die IV auch noch irgendwo erwirbt) wird sich verwundert fragen, warum.
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